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Mitarbeiter des Rheinischen Landesmuseums Bonn mit dem vielleicht bekanntesten Deutschen - dem Neandertaler. Im Landesmuseum Bonn werden die Originalfossilien des ersten 1856 entdeckten Neandertalers aufbewahrt. Foto: LVR Landesmuseum Bonn

Als der Mensch nach Deutschland kam


Der berühmte Unterkiefer von Mauer. Er ist das älteste menschliche Fossil, das man in Deutschland entdeckt hat. Foto: Max Planck Institut; Montage: Ramuck, Antropus Magazin

Vor etwa 500.000 Jahren müssen die ersten Menschen nach Deutschland gelangt sein. Das belegt der berühmte Unterkiefer von Mauer.

In Mauer, einem kleinen Städtchen in der Nähe von Heidelberg, entdeckte im Jahr 1907 ein Tagelöhner in einer Sandgrube einen menschlichen Kiefer. Und der ortsansässige Anthropologe Otto Schoetensack kam zu dem Schluss, dass er von einem Menschen stammen musste, der noch deutlich älter war als der Neandertaler, den man bereits im Jahr 1856 in der Nähe von Mettmann gefunden hatte. Schoetensack gab dem Fund den Namen "Homo Heidelbergensis".

Der älteste Deutsche ist 500.000 Jahre alt

Das Fossil des Homo Heidelbergensis - das wissen wir heute - ist mindestens 500.000 Jahre alt und gehört zu einer neuen Menschenform, die sich damals in Europa ausbreitete. Das belegen zahlreiche spätere Funde aus England, Frankreich, Italien, Griechenland und Spanien. Und diese Menschen standen anatomisch und entwicklungsgeschichtlich irgendwo zwischen dem aus Afrika und Asien bekannten Urmenschen Homo Erectus und dem Neandertaler.

Herkunft ist noch nicht erforscht

Woher der Homo Heidelbergensis kam und wie er in den Stammbaum des Menschen einzuordnen ist, darüber streiten die Fachleute bis heute. Einige glauben, dass es sich um einen Homo Erectus handelte, der vor 1,2 Millionen Jahren nach Europa gelangte, sich aufgrund des dortigen Klimas veränderte (größeres Gehirn, andere Schädelform) und schließlich zum Neandertaler entwickelte. Andere zählen auch afrikanische Funde mit ähnlichen Merkmalen zum Homo Heidelbergensis und sehen in ihm einen gemeinsamen Vorfahren von Neandertaler und modernem Menschen, der sich vor etwa 500.000 Jahren in eine europäische und eine afrikanische Linie aufspaltete. Hier muss man abwarten, wie sich die weitere Forschung entwickelt.

Die Siedlung Bilzingsleben


Ein menschlicher Unterkiefer aus Bilzingsleben. Foto: Universität Jena
Wie der Homo Heidelbergensis lebte, dokumentiert eine bedeutende Fundstelle im thüringischen Bilzingsleben. Dort fand man nicht nur 370.000 - 400.000 Jahre alte Schädelfragmente und Zähne, sondern auch die Überreste einer kleinen Siedlung. Sie bestand aus drei einfachen Behausungen (von Holzstangen oder Mammutzähnen getragene Tierfelle), Feuerstellen und sogar einer Art Werkstatt, deren Boden mit Steinen gepflastert war. Die Entdecker glauben, dass diese kleine Siedlung drei Sippen als "Basislager" diente, von dem aus sie zu ihren Jagdzügen aufbrachen.

Die Schöninger Speere

Dass der Homo Heidelbergensis ein geübter Großwildjäger war, belegt der Fundort Schöningen in der Nähe von Helmstedt. Dort fanden Paläanthropologen nicht nur zahlreiche Überreste von Mammuts, Nashörnern und Pferden, sondern auch acht Speere. Diese zwischen 270.000 und 400.000 Jahre alten Jagdwaffen gelten als die ältesten vollständig erhaltenen Jagdgeräte der Welt. Als man einige dieser Wurfspeere nachbaute und mit modernen Sportspeeren verglich, stellte sich heraus, dass sie beinahe ebenso leistungsfähig waren.

Der Homo Steinheimensis


Der 300.000 Jahre alte Frauenschädel aus Steinheim an der Murr. Er gilt als Übergangsform vom Homo Heidelbergensis zum Neandertaler.
Foto: Czarnetzki, Universität Tübingen
Ein weiter wichtiger Fund auf deutschem Boden ist der Homo Steinheimensis. Dabei handelt es sich um den Schädel einer etwa 25-jährigen Frau, der in Steinheim an der Murr entdeckt wurde. Das Fossil ist etwa 300.000 Jahre alt und vor allem anatomisch interessant. Der Schädel weist noch viele Merkmale des Homo Heidelbergensis auf, ähnelt in anderen Details aber schon dem späteren Neandertaler. Das Fossil gilt als wichtiger Beleg für die These, dass es einen fließenden Übergang vom Homo Heidelbergensis zum Neandertaler gab. Daher spricht man auch von einem Prä-Neandertaler.
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