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Ron Clarke und die immer noch im Gestein befindlichen Überreste von "Little Foot". Handelt es sich um eine neue Australopithecinen-Art? Foto: Universtät Witwatersrand

Bislang unbekannter Australopithecus?

Seit mehr als fünfzehn Jahren arbeitet der Paläanthropologe Ron Clarke in den südafrikanischen Höhlen von Sterkfontein, um einen der vollständigsten und vielleicht bedeutendsten Funde der Paläanthroplogie freizulegen - einen Hominiden namens Little Foot.

Schon im Jahr 1994 entdeckte Clarke erste Knochenfragmente eines Fossils, das unter der Katalognummer STW 573 in die Liste hominider Fossilien aufgenommen wurde. Da es sich ausschließlich um Fußknochen handelte, erhielt der Fund den Beinamen "Little Foot".

Schwierige Ausgrabungen

In den nächsten Jahren legte Clarke weitere Teile eines umfangreichen Skeletts frei, das zu einem etwa 1,30 großen Hominiden gehörte. Doch die Grabungen und die Einordnung des Fundes erwiesen sich als überaus schwierig. Betonharte Gesteinsschichten mussten Milimeter für Milimeter abgetragen werden, eine exakte Datierung war aufgrund fehlender vulkanischer Ablagerungen nicht möglich. Deshalb hieß es unverbindlich: "Australopithecus Africanus oder eine noch frühere Hominidenart."

Beinahe vollständiges Skelett

Inzwischen sind große Teile des Fossils freigelegt. Allerdings befindet es sich immer noch in der Höhle und ist mit dem Fels "verschmolzen". Doch was man erkennen kann, ist beeindruckend. Little Foot gehört neben der berühmten Lucy und dem Nakatome Boy zu den schönsten Funden der Paläanthropologie. Das Skelett ist nahezu vollständig erhalten und kaum fragmentiert. Little Foot liegt da, wie er einst gestorben ist.

Einige Merkmale sind anders

Lange wurde darüber spekuliert, um was für einen Hominiden es sich handeln könnte und wann er gelebt hat. Die Datierungen schwankten zwischen 4,0 Millionen und 2,1 Millionen Jahren. Auch eine vorläufige Zuordnung zum in Südafrika weit verbreiteten Australopithecus Africanus war umstritten, denn gleich mehrere Merkmale des Fossils unterschieden sich von bekannten Africanus-Funden. Dazu zählen die extrem großen knollenartigen Zähne und die Anatomie der Füße.

Wahrscheinlich 3,3 Millionen Jahre alt

Ron Clarke, der an der Universität Witwatersrand forscht und für den der Little Foot zu einer Art Lebenswerk geworden ist, hat bislang keine abschließende wissenschaftliche Beschreibung vorgelegt. Auch öffentliche Statements gibt es nur wenige. Lediglich im Jahr 2003 teilte er mit, die Anatomie der Hände und der Füße lasse darauf schließen, dass dieser Hominide noch in den Bäumen lebte, aber auch aufrecht gehen konnte. Und im Jahr 2009 vermutete er in einem Interview, das Fossil sei wahrscheinlich 3,3 Millionen Jahre alt.

Little Foot gehörte zu einer neuen Art

Doch nun gibt es endlich neue Informationen zu Little Foot. Und die sind spektakulär. Wie Clarke anlässlich der Feierlichkeiten zum 75-jährigen Bestehen der Sterkfontein-Höhlen als Hominiden-Fundort mitteilte, will er anhand der Little-Foot-Fossilien eine neue Australopithecinen-Art definieren - den Australopithecus Prometheus. Clarke im südafrikanischen Nachrichten-Magazin Daily Maverick: "Jeder Australopithecus aus Sterkfontein wurde in den letzten 50 Jahren fälschlicherweise als 'Africanus' eingeordnet. Ich werde zeigen, dass es eine weitere Art gab. Auch wenn mir nicht alle Kollegen zustimmen werden."

Das Erbe Raymond Darts

Damit greift Ron Clarke eine Theorie wieder auf, die schon die Forscher-Legenden Raymond Dart und Robert Broom vertreten haben - nämlich dass die in Südafrika entdeckten Australopithecus-Fossilien nicht genügend übereinstimmende Merkmale aufweisen, um sie einer einzigen Art zuzuordnen. Dart bezeichnete bereits vor 80 Jahren Funde aus den Höhlen von Makapansgat als "Australopithecus Prometheus". Clarkes neue Art-Bezeichnung ist also auch eine Verbeugung vor Altmeister Raymond Dart.

Untersuchungen dauern noch an

Ob es allerdings tatsächlich zur Einführung einer weiteren Australopithecinen-Art kommt, muss man abwarten. Eine abschließende Studie, so Ron Clarke, werde es aufgrund der schwierigen Fundstelle "frühestens Ende 2012" geben. Und wer Clarke und seine akribische Arbeitsweise kennt, weiß, dass es auch ein paar Jährchen mehr werden können.


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