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100.000 Jahre alte Zähne und ein Kiefer aus Südchina (l.) weisen Merkmale des Homo Sapiens auf. Haben es die modernen Menschen, die vor 100.000 Jahren in Israel lebten (r.), also doch bis nach Asien geschafft?
Fotos: Chinesische Akademie der Wissenschaften (1); Wapondaponda (1), CC-Lizenz
Sensationsfund aus Südchina
Ein internationales Forscherteam hat im südchinesischen Zhirendong 100.000 Jahre alte Fossilien entdeckt, die von einem Homo Sapiens zu stammen scheinen. Gelangte der moderne Mensch also 50.000 Jahre früher nach Asien, als man bislang dachte?
Wu Liu von der Chinesischen Akademie der Wissenschaften und ein internationales Forscherteam sind bei Grabungen in Zhirendong auf mehrere Zähne und einen Kiefer gestoßen, die sich in ihren Merkmalen deutlich von den aus China bekannten archaischen Menschenformen unterscheiden. Vor allem der Kiefer ähnelt dem eines modernen Menschen. Da der Fund zuverlässig auf ein Alter von 100.000 Jahren datiert wurde, stellt sich die Frage: Lebten damals schon moderne Menschen in Asien?
Besiedlung Asiens ist noch nicht geklärt
Die Besiedlung Asiens durch den Homo Sapiens ist bis heute eine Geschichte mit vielen Fragezeichen. Als man vor 80 Jahren in Israel 100.000 Jahre alte Überreste moderner Menschen fand, dachte man zunächst, diese Gruppe habe sich anschließend nach Asien und Australien ausgebreitet. Doch da man weder auf der arabischen Halbinsel noch in Indien entsprechend alte Fossilien entdecken konnte und die Funde aus China und Australien maximal 40.000 Jahre alt sind, korrigierte man diese Lehrmeinung. Die frühe Ausbreitung des Homo Sapiens nach Israel wurde als einmaliger und gescheiterter Expansionsversuch eingeordnet. Von da ab galt: Der moderne Mensch erreichte Asien erst vor 40.000 - 50.000 Jahren.
Moderne und archaische Merkmale
Kam es zur Vermischung?
Erik Trinkaus (Bild) glaubt, dass sich die Zhirendong Fossilien von afrikanischen Funden unterscheiden und archaischen Menschenformen aus Asien ähneln. Gab es eine Vermischung mit dem asiatischen Homo Erectus oder gar mit dem Neandertaler? Foto: Washington University of St. Louis
Der neue Fund aus Zhirendong könnte nun dazu führen, dass die Lehrbücher erneut umgeschrieben werden müssen. Allerdings ist noch unklar, ob es sich beim "Sapiens von Zhirendong" tatsächlich bereits um einen "echten" modernen Menschen der Marke Homo Sapiens handelte. Der Fund weist nämlich auch einige archaische Merkmale auf. Und Erik Trinkaus von der Washington Universität in St. Louis glaubt sogar einige Anflüge von Neandertaler erkannt zu haben.
Unterschiedliche Interpretationen
Entsprechend breit gefächert ist die Bandbreite der Interpretationen. Während die chinesischen Mitglieder des Forscherteams von einer Mischform aus frühem Homo Sapiens und Homo Erectus (Homo Pekinensis) ausgehen und Trinkaus eine Vermischung mit den Neandertalern nicht ausschließt, sehen Skeptiker in den Fossilien lediglich eine späte Variante des asiatischen Homo Erectus, die man - sehr missverständlich - auch als archaischer Homo Sapiens bezeichnet.
Frühe Besiedlung wird immer wahrscheinlicher
Lebten vor 100.000 Jahren bereits moderne Menschen in China? Für diese Theorie sprechen zwei andere Funde aus Indien und von den Philippinen. In Indien haben englische Paläanthropologen Werkzeugartefakte ausgegraben, die denen des afrikanischen Homo Sapiens gleichen und die auf ein Alter von 75.000 Jahren datiert wurden. Und auf den Phillippinen stießen Forscher auf einen 67.000 Jahre alten Beinknochen, der ebenfalls eine Hinterlassenschaft des modernen Menschen zu sein scheint. Kurzum: Momentan verdichten sich die Hinweise, dass der Homo Sapiens deutlich früher in Asien aufkreuzte, als man lange dachte. Allerdings ist unklar, was aus diesen ersten Einwanderern wurde. Haben sie sich mit den einheimischen Urmenschen vermischt? Oder wurden sie durch eine zweite Migrationswelle ersetzt, die vor 50.000 Jahren erfolgte?
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